gegen 1700 John Marshall (1663 - 1725) baute einen Objekttisch aus
Messing, an dem für
die Auflichtbeleuchtung eine Linse befestigt war, die als Auflichtkondensor
diente ("bull's-
eye condenser"). Seine Mikroskope waren über ein Kugelgelenk auf einem Holzkasten
montiert. Außerdem führte er die Fischplatte für die Beobachtung der Blutzirkulation
an kleinen Fischen ein.
um 1700 Cosmus Conrad Cuno (1652 - 1745) entwickelte das erste Zirkelmikroskop
("compass microscope"), das in unzähligen Varianten kopiert und bis weit in das
18. Jahrhundert hinein hergestellt wurde. Publik wurde diese Erfindung 1702
durch das Werk "Oculus artificialis teledioptricus"
von Johannes Zahn (1641 - 1707).
1711 Louis Joblot (1645 - 1723) belegte die
Hitzesterilisation von
Mikroorganismen weit über 100 Jahre vor Louis Pasteur (1822 - 1895).
1712 Christian Gottlieb Hertel (1683 - 1743) konstruierte ein
Mikroskop,
bei dem sich erstmals ein Beleuchtungsspiegel unterhalb des
Präparates befand. Eine weitere wegweisende Neuerung seiner Geräte
war die Fokussierung über den Objekttisch, der sich auch seitwärts
bewegen ließ. Erst im späten 18. Jahrhundert erfand Benjamin Martin
(1704 - 1782) eine Weiterentwicklung dieses Objekttisches: den
Kreuztisch. Hertel war der erste Mikroskopiker, der ein Mikrometer in die Brennebene des Okulares
brachte.
1717 Nicolas Bion (1652 - 1733) beschrieb das erste
Trommelmikroskop, dem Benjamin Martin (1704 - 1782) später (1739) zum Durchbruch
verhalf.
1718 Louis Joblot (1645 - 1723) veröffentlichte eine
ausführliche Darstellung seiner Mikroskope: "Descriptions et Usages de Plusieurs
nouveaux microscopes". Besonderer Beliebtheit erfreuten sich die reich verzierten
Säulen- oder Skulpturmikroskope ("petit machine nouvelle").
1719 Johann Georg Leutmann (1667 - 1736) beschrieb
einen konkaven Beleuchtungsspiegel für undurch-
sichtige Objekte, der die Linse des einfachen Mikroskops konzentrisch umgab.
Bekannt wurde diese Neuerung erst ca. 20 Jahre später durch Johann Nathanael
Lieberkühn (1711 - 1756).
1725 Edmund Culpeper (1666 - 1738) führte ein Dreibeinmikroskop
ein, das über hundert Jahre den Markt beherrschte und von zahlreichen Herstellern
kopiert wurde. Dieses Mikroskop eignete sich für Durch- und Auflichtbeobachtungen
und wurde aus diesem Grund von Culpeper als "Double Reflecting Microscope"
bezeichnet.
1733 Chester Moor Hall (1704 - 1771) gelang es erstmals
durch die Verkittung einer Kronglas- und einer Flintglaslinse die chromatische
Aberration zu korrigieren. Hall, der naturwissenschaftlich geschulter Jurist
war, machte diese Entdeckung nicht publik. Bekannt wurde diese bahnbrechende
Erfindung erst 1758 durch John Dollond (1706 - 1761) und seinen Sohn Peter
(1730 - 1820), die diese Versuche vermutlich unabhängig von Hall durchführten.
1734 Johann Nathanael Lieberkühn (1711 - 1756) entwickelte
ein großes einfaches Mikroskop: das anatomische Mikroskop. Dieses Mikroskop wurde für
die Untersuchung von kleineren Wirbeltieren bis zur Größe von Katzen gebaut. Die Tiere
wurden für die Untersuchungen an einer stehenden Messingplatte fixiert und die
Leibeshöhle geöffnet.
1738 Johann Nathanael Lieberkühn (1711 - 1756) griff
Réne Descartes' (1596 - 1650) Idee vom Hohlspiegel auf und baute einen versilberten
Hohlspiegel, der die Linsen der Zirkelmikroskope umgab, den "Lieberkühnspiegel".
Bei den Handmikroskopen nach Lieberkühn waren der Beleuchtungsspiegel und
eine Beleuchtungslinse in einem Tubus verborgen. Da sich diese Erfindung besonders
für die Untersuchung undurchsichtiger Objekte eignete, wurde sie von Georg
Adams d. Ä. (1708 - 1773) als "opakes Mikroskop" bezeichnet. Johann Georg
Leutmann (1667-1736) beschrieb diese Form der Beleuchtung bereits 1719, wurde
jedoch damals nicht beachtet. Lieberkühn wird oft fälschlicherweise die Erfindung
der Projektionsmikroskope zugesprochen, die damals Solar- oder Sonnenmikroskope
genannt wurden. Diese wurden jedoch schon von Daniel Gabriel Fahrenheit (1686
- 1736) konstruiert.
1739 Benjamin Martin (1704 - 1782) baute sein erstes
Trommelmikroskop, das aufgrund der einfachen und robusten Bauweise weite Verbreitung
in England fand. Auf dem Festland (Paris) griff Georg Oberhäuser (1798 - 1868)
dieses Prinzip gegen Anfang des 19. Jahrhunderts auf.
1740 August Johann Rösel von Rosenhof (1705 - 1759)
veröffentlichte sein Werk "Insectenbelustigung". Er benutze bereits die binäre
Nomenklatur von Carl von Linné (1707 - 1778). Zur Untersuchung der Insekten
(z.B. Totenkopf- und Oleanderschwärmer) dienten ihm selbstgebaute Sonnenmikroskope.
1744 John Cuff (1708 - 1772) führte ein Mikroskop
ein, bei dem das
Präparat, im Vergleich zu dem "Double Reflecting Microscope" von
Edmund Culpeper (1666 - 1738), besser zugänglich war. Dieses Gerät,
das ebenfalls weite Verbreitung fand, bestand aus Messing, hatte einen
senkrechten Tubusträger mit Grob- und Feintrieb sowie einen Beleuchtungs-
spiegel unter dem Tisch ("Bonanni spring stage" nach Philippo Bonanni
(1638 - 1725)).
1746 Georg Adams d. Ä. (1708 - 1773) veröffentlichte
sein umstrittenes
Werk "Micrographia illustrata", in dem ein Mikroskop beschrieben wurde,
bei dem die Objektive auf einer Art Karussell montiert waren - dem ersten
Objektivrevolver.
1752 John Cuff (1708 - 1772) baute für John Ellis
(1710 - 1776) ein "Wasser-
mikroskop" ("aquatic microscope") für die Beobachtung von Wassertieren -
ein Gerät, das oft kopiert und unter dem Namen Ellisches Wassermikroskop
bekannt wurde. Dieses einfache Mikroskop wird oft auch als der Vorläufer des
Präparationsmikroskops angesehen, auch wenn es für einen anderen
Zweck gebaut wurde.
1757 Pieter Lyonnet (1707 - 1789) stellte ein Mikroskop
vor, das er
speziell für Dissektionsarbeiten entwickelt hatte - das Präparations-
mikroskop.
1758 John Dollond (1706 - 1761) und seinem Sohn
Peter (1730 - 1820) gelang es auf Anregung von Samuel Klingenstierna (1698
- 1765) vermutlich unabhängig von Chester Moor Hall (1704 - 1771, s.o.), durch
die Verkittung einer konvexen Kronglas- (Alkali-Kalk-Glas, Brechungsindex
" 1,5 und Dispersion > 50) und einer konkaven Flintglaslinse (Bleiglas, Brechungsindex
" 1,6 und Dispersion < 50) die chromatische Aberration zu korrigieren und
damit Isaac Newton (1643 - 1727) zu widerlegen. Diese bahnbrechende Entdeckung
wurde jedoch zunächst nur bei der Konstruktion von Fernrohren berücksichtigt.
1759 Benjamin Martin (1704 - 1782) beschrieb in
seinem Werk "New Elements of Optics" eine Möglichkeit, die chromatische Aberration
zu reduzieren: Er schlug vor, die Lichtbeugung auf mehrere schwach gekrümmte
Oberflächen "zu verteilen". Seine Geräte enthielten fortan mindestens fünf
statt der oft noch üblichen drei Linsen: zwei Okularlinse nach Christian Huygens
(1629 - 1695) bzw. Eustachio Divini (1610 - 1685), eine Zwischenlinse im Tubus
und zwei Objektivlinsen.
um 1760 Wilhelm Friedrich von Gleichen (oft Russworm oder Rußworm
genannt, 1717 - 1783) montierte ein Zirkelmikroskop auf einen Kasten, das
ein Bild auf den Boden desselben projizierte. Dieses Bild konnte nun nachgezeichnet
werden.
um 1760 Louis Francois Dellebarre (1726 - 1805) beschrieb,
daß er die chromatische Abberation durch die Kombination von 4 bis 6 bikonvexen
Kron-/Flintglaslinsen im Okular und Tubus aufheben könne. Er beruft sich dabei auf die
mathematischen Theorien von Leonhard Euler (1707 - 1783). Heute wissen wir, daß dies ihm
nicht gelang, da er das Objektiv nicht mit einbezog. Die Französische Akademie der Wissenschaft
und Künste erkannte den Irrtum nicht und verlieh ihm eine Silbermedaille.
1767 Georg Friedrich Brander (1713 - 1783) entwickelte
aus einem Projektionsmikroskop (Sonnenmikroskop) einen Zeichenapparat: Das
Bild wurde auf einer Mattglasscheibe abgebildet, auf der ein Blatt Papier
aufgezogen werden konnte.
1768 Duc de Chaulnes (1714 - 1769, vollständiger Name:
Michael Ferdinand d'Albert d'Ailly Duc de Chaulnes) beschrieb das erste eigens
für Messzwecke konzipierte Mikroskop.
um 1770 Jan van Deyl (1715 - 1801, manchmal auch
Deijl zitiert) und sein Sohn Harmanus (1738 - 1809) bauten das erste achromatische
Mikroskopobjektiv. Es dauerte jedoch, aufgrund der Schwierigkeit, kleine Kittglieder
zu fertigen, mehrere Jahrzehnte bis Achromaten serienmäßig hergestellt wurden.
Die Beschreibung dieser Geräte erschien erst 1807, also zwei Jahre vor dem
Tod von Harmanus Deyl, so daß nur wenige Exemplare dieses Typs gefertigt wurden.
Weitere Pioniere bei der Herstellung achromatischer Mikroskopobjektive waren Nicolaus Fuess
(andere Schreibweise: Nicolaus Fuß, 1755 - 1826) und Francois G. Beeldsnyder (andere Schreibweise:
Francois G. Beeldsnijder, 1755 - 1808) im Jahre 1784 bzw. 1791.
um 1770 Georg Adams d. Ä. (1708 - 1773) fertigte
sein großes Prunkmikroskop (Höhe: 74 cm), das durch Figuren, Vasen und eine
korinthischen Säule üppig verziert wurde. Ebenfalls stark verzierte Mikroskope
stellte Alexie Magny (1712 - 1777) her, die dem Messmikroskop von Michael
Ferdinand d'Albert d'Ailly Duc de Chaulnes (1714 - 1769) ähneln.
1771 Georg Adams d. Ä. (1708 - 1773) beschrieb in
einer späteren Auflage der "Micrographia illustrata" das erste verschraubte
Objektiv, also eine Möglichkeit, die einzelnen Linsen des Objektives zu verschrauben
oder separat zu verwenden, was von vielen Herstellern bis in das 20. Jahrhundert
übernommen wurde.
1774 Benjamin Martin (1704 - 1782) baute ein Sonnenmikroskop
für undurchsichtige Objekte ("opake solar microscope").
1776 Jeremiah Sission konstruierte nach den Plänen
von Demainbray den ersten Schieberevolver für Objektive. Eine weitere Neuerung
seiner Mikroskope war, daß die Präparate sich auf einer drehbaren Scheibe
befanden.
1785 John Bleuler (ca. 1757 - 1829) führte einen
Gelenkarm für die Kondensorhalterung ein, so daß dieser einfach herausgeschwenkt
werden kann.
1787 Georg Adams d. J. (1750 - 1795) stellte in seinem Werk "Essays
on the Microscope" ein Projektionsmikroskop mit künstlicher Beleuchtung vor
- das "Lampenmikroskop".
1792 S. Gallini behauptete, der menschliche Körper
sei eine Ansammlung durch Membranen abgegrenzter Zellen. Später (1812) gelang
Moldenhauer die Isolierung einzelner pflanzlicher Zellen aus dem Verband.
