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Engelbert & Hensoldt
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Frühes Mikroskop aus Wetzlar von Engelbert &
Hensoldt um 1872 (Stativ 4 mit Feintrieb ohne Friktion,
Höhe bei eingefahrenem Tubus 29 cm). Die Signatur
und Seriennummer Engelbert & Hensoldt, Wetzlar, No
512
sind auf dem Tisch eingestanzt. Die
Grobfokussierung erfolgt über den Schiebetubus, die
Feineinstellung (Parallelogramm-Trieb) durch das
Rändelrad an der Säule unterhalb des Tisches. Zur
Beleuchtung dienen ein schwenkbarer Konkavspiegel
sowie eine Lochblendenscheibe mit 5 kreisförmigen
und einer rechteckigen Blende (oblique Beleuchtung)
sowie einem wechselbaren Linsensystem mit dunklem
Hintergrund für Objektive mit geringer numerischer
Apertur. Zur weiteren Ausstattung gehören die drei
Objektive Nr. 0, Nr. 2 und Nr. 3 sowie die
Okulare Nr. 1 und Nr. 2. Für den Transport wird
der Tubus aus der Führung gezogen und separat
in dem Mahagonikasten verstaut.
Moritz Carl Hensoldt (1821 - 1903) ging nach dem Ende seiner Ausbildung im Jahre 1841 bei dem Mechaniker und Graveur Georg Andreas Wiskemann in Saalfeld auf Wanderschaft. Diese führte ihn zu F. W. Breithaupt nach Kassel (bis 1843) und anschließend zu Repsold & Söhne nach Hamburg, wo er im Sommer 1846 Carl Kellner (1826 - 1855) kennenlernte. Es folgte eine enge Freundschaft zwischen Kellner und Hensoldt, die noch heute durch einen Briefverkehr belegt ist (pers. Mitt. Belz-Hensoldt). Im Jahre 1849 gründeten die beiden Freunde das Optische Institut in Wetzlar, welches Hensoldt jedoch noch im selben Jahr verließ, um in seine Geburtsstadt Sonneberg zu ziehen. 1851/52 folgte er nochmals der Bitte Kellners und arbeitete im Optischen Institut in Wetzlar. Dennoch gründete er 1852 eine eigene Werkstätte in Sonneberg. Bevor er selbst komplette Mikroskope baute, fertigte er dort Mikroskopstative für Kellner.

1854 heiratete Hensoldt Christine Ohlenberger, die Cousine von Carl Kellner und Louis Engelbert (? - 1887), einem ehemaligen Mitarbeiter Kellners. Engelbert, der besonderes Vertrauen Kellners genoß, übernahm nach dem Tode Kellners 1855 zunächst die Leitung des Optischen Institutes in Wetzlar. Bereits nach einem Jahr heiratete die Witwe Kellners den Gehilfen Friedrich Belthle und übertrug diesem die Leitung der kleinen Firma. Engelbert verließ daraufhin Belthle, um sich selbständig zu machen. Im Jahre 1861 verbündeten sich Engelbert und Hensoldt in Braunfels nahe Wetzlar: Engelbert & Hensoldt.

Die Umsiedlung nach Wetzlar erfolgte bereits 1865. Hensoldt stellte hier ab 1877 zusätzlich unter seinem eigenen Namen Fernrohre her. Nach dem Tode von Engelbert 1887 erfolgte die Auflösung der gemeinsamen Firma. Der Sohn von Louis Engelbert Fritz fertigte unter eigenem Namen anschließend nur noch Mikroskopobjektive, wohingegen Hensoldt seine Produktpalette stetig erweiterte. 1872 trat der erste Sohn, Waldemar Hensoldt (1856 ? 1946), in den Betrieb ein und widmete sich zunächst vermehrt dem Mikroskopbau. Der zweite Sohn von Moritz Carl Hensoldt, Carl Hensoldt (1872 ? 1953), trat 1889 ebenfalls in die Firma ein.

Die Verdienste der Firma Hensoldt sind weit gefächert: Sie reichen von der Entwicklung von Prismen-Ferngläsern ("Dialyt") zu Kleinmikroskopen (“Tami“, “Metami“ und “Protami“). Auch in der Spielzeugindustrie war Hensoldt erfolgreich: So entwickelte er z.B. die erste sprechende Puppe, die "Mama-Puppe".

Interessierte Leser seien auf folgende Buchtitel aufmerksam gemacht:
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