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R. Fuess
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Frühes Berliner Mikroskop für mineralogische
und petrographische Untersuchungen von
R. Fuess nach Rosenbusch um 1877/78 (Höhe
bei eingefahrenem Tubus: 37cm). Die
geschwungene Signatur R. Fuess, Berlin
befindet sich am oberen Ring des Tubus. Eine
Seriennummer ist nicht vorhanden. Es besteht
aus Stahl, zaponiertem, vernickeltem und matt
versilbertem Messing und einer schwarz
lackierten Zinklegierung (Hufeisenfuß).
Zur umfangreichen Ausstattung dieses seltenen Mikroskops gehören: die Objektive Nr. 3, Nr. 5, Nr. 7 und Nr. 9 im lederbezogenen Kästchen, die signierten, fokussierbaren Okulare No 2, No 3, No 4 (zwei Stück, leicht verschieden), drei Lochblenden mit Halterung, eine Quarzplatte im Messingschieber, ein Gewindeadapter, ein rotierbares Nicolprisma im Kondensor (mit einer Skalierung in 10 Grad Schritten mit Beschriftung alle 30 Grad) als Polarisator und ein Nicolprisma als Analysator mit der selben Skalierung. Wie in einer Publikation von Harry Rosenbusch (1836 - 1914) aus dem Jahre 1876 angemerkt, wurden die frühen Mikroskope von Fuess mit Objektiven von Friedrich Edmund Hartnack (1826 - 1891) bestückt (s.u.).

Die Feinfokussierung erfolgt über eine sehr fein skalierte Rändelschraube (500 Teilstriche), die präzise Tiefenmessung in Abhängigkeit der numerischen Apertur erlaubt. Sie wirkt über eine stählerne Prismensäule auf den Tisch. Der matt versilberte Drehtisch mit Präparateklemmen verfügt über eine Skalierung in 1 Grad Inkrementen. Darüber hinaus besitzt er eine senkrecht zueinander orientierte Einteilung. Über dem Objektiv besteht die Möglichkeit, eine Quarzplatte in einer Messinghalterung in den Strahlengang in eine verschließbare Halterung einzubringen. Der Tubus dieses Mikroskops ist über zwei Rändelschrauben am Tubusträger zentrierbar. Unter dem Drehtisch befinden sich die schwenkbare Halterung für den Kondensor mit Nicolprisma bzw. Lochblenden sowie ein schwenkbarer Plan-/Konkavspiegel. Dieses sehr gut erhaltene Mikroskop wird liegend in einem Mahagonikasten aufbewahrt.

Rudolf Fuess (1838 - 1917) war mit dem Meyerstein-Schüler (Moritz Meyerstein, 1808 - 1882) Hugo Schröder (1834 - 1902) befreundet, in dessen Hamburger optischen Institut er für gut 2 Jahre arbeitete. Gemeinsam besuchten sie bereits während ihrer Lehrjahre an der Göttinger Universität Vorlesungen über Physik (Prof. Weber) und Optik (Prof. Listing) sowie Mathematik (Prof. Brauns). Im Jahre 1865 machte sich Rudolf Fuess in Berlin selbstständig. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit war die Herstellung optischer Instrumente für mineralogische und petrographische Anwendungen. Das oben vorgestellte mineralogische Mikroskop geht auf die enge Zusammenarbeit mit Prof. Harry Rosenbusch zurück. Es kann als erster Typ eines brauchbaren Polarisationsmikroskops für kristallographische Untersuchen angesehen werden. Diese Mikroskope wurden nur in geringer Stückzahl auf Bestellung hergestellt, so daß heute nur wenige Exemplare erhalten sind. Die Firma Fuess übersteht beide Weltkriege und wird erst 1976 aus dem Handelsregister gelöscht.

Karl Heinrich Ferdinand Rosenbusch genannt Harry Rosenbusch (1836 - 1914) war 1888 erster Direktor der Badischen Geologischen Landesanstalt. Er lehrte Mineralogie in Straßburg, Heidelberg und Freiburg und kann als Gründer der mikroskopischen Petrographie betrachtet werden. Das oben vorgestellte Mikroskop für mineralogische und petrographische Untersuchungen gilt dabei als Meilenstein.

Interessierte Leser seien auf folgende Arbeit aufmerksam gemacht:
Rosenbusch, Harry (1876): Ein neues Mikroskop für mineralogische und petrographische Untersuchungen, Neues Jahrbuch für Mineralogie etc., Seite 504 - 513.
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