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Moritz C. Hensoldt
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Deutsches Messingmikroskop von Hensoldt um 1915
(Höhe bei eingefahrenem Tubus: 32 cm) mit einfachem
Drehtisch, Abbeschem Beleuchtungsapparat, Dreifach-
objektivrevolver (Nr. 21, Nr. 83, und Nr. 140 = 1/12 Ölim-
mersion 1,5 N.A.), Grob- und Feintrieb sowie Plan- und
Konkavspiegel. Die Signatur Hensoldt, Wetzlar, No 2732
befindet sich auf dem Tubus. Der Fuß ist aus lackiertem
Eisen, der Tubusträger aus lackiertem Messing gefertigt,
wohingegen die übrigen Teile aus zaponiertem bzw.
vernickeltem Messing bestehen. Im Mahagonikasten
befinden sich außerdem eine Halterung für Loch-
blenden mit zwei Einlegeblenden, ein Kondensor für
geringe Vergrößerungen sowie die Okulare Nr. 4, 5, 6, 7
und das 18 Compens. Okular, das eine Weiterent-
wicklung des Kellnerschen Okulars darstellt. Die
Einschübe in dem Kasten für die Okulare, die Objektive
und die Lochblendenhalterung besitzen kleine Elfenbeingriffe. Große Mikroskope von Hensoldt aus dieser Zeit sind recht selten.
Moritz Carl Hensoldt (1821 - 1903) ging nach dem Ende seiner Ausbildung im Jahre 1841 bei dem Mechaniker und Graveur Georg Andreas Wiskemann in Saalfeld auf Wanderschaft. Diese führte ihn zu F. W. Breithaupt nach Kassel (bis 1843) und anschließend zu Repsold & Söhne nach Hamburg, wo er im Sommer 1846 Carl Kellner (1826 - 1855) kennenlernte. Es folgte eine enge Freundschaft zwischen Kellner und Hensoldt, die noch heute durch einen Briefverkehr belegt ist (pers. Mitt. Belz-Hensoldt). Im Jahre 1849 gründeten die beiden Freunde das Optische Institut in Wetzlar, welches Hensoldt jedoch noch im selben Jahr verließ, um in seine Geburtsstadt Sonneberg zu ziehen. 1851/52 folgte er nochmals der Bitte Kellners und arbeitete im Optischen Institut in Wetzlar. Dennoch gründete er 1852 eine eigene Werkstätte in Sonneberg. Bevor er selbst komplette Mikroskope baute, fertigte er dort Mikroskopstative für Kellner.

1854 heiratete Hensoldt Christine Ohlenberger, die Cousine von Carl Kellner und Louis Engelbert (? - 1887), einem ehemaligen Mitarbeiter Kellners. Engelbert, der besonderes Vertrauen Kellners genoß, übernahm nach dem Tode Kellners 1855 zunächst die Leitung des Optischen Institutes in Wetzlar. Bereits nach einem Jahr heiratete die Witwe Kellners den Gehilfen Friedrich Belthle und übertrug diesem die Leitung der kleinen Firma. Engelbert verließ daraufhin Belthle, um sich selbständig zu machen. Im Jahre 1861 verbündeten sich Engelbert und Hensoldt in Braunfels nahe Wetzlar: Engelbert & Hensoldt.

Die Umsiedlung nach Wetzlar erfolgte bereits 1865. Hensoldt stellte hier ab 1877 zusätzlich unter seinem eigenen Namen Fernrohre her. Nach dem Tode von Engelbert 1887 erfolgte die Auflösung der gemeinsamen Firma. Der Sohn von Louis Engelbert Fritz fertigte unter eigenem Namen anschließend nur noch Mikroskopobjektive, wohingegen Hensoldt seine Produktpalette stetig erweiterte. 1872 trat der erste Sohn, Waldemar Hensoldt (1856 ? 1946), in den Betrieb ein und widmete sich zunächst vermehrt dem Mikroskopbau. Der zweite Sohn von Moritz Carl Hensoldt, Carl Hensoldt (1872 ? 1953), trat 1889 ebenfalls in die Firma ein.

Die Verdienste der Firma Hensoldt sind weit gefächert: Sie reichen von der Entwicklung von Prismen-Ferngläsern ("Dialyt") zu Kleinmikroskopen (“Tami“, “Metami“ und “Protami“). Auch in der Spielzeugindustrie war Hensoldt erfolgreich: So entwickelte er z.B. die erste sprechende Puppe, die "Mama-Puppe".

Interessierte Leser seien auf folgende Buchtitel aufmerksam gemacht:
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Kleines Taschenmikroskop "Tami" von Hensoldt, um 1920, aus vernickeltem bzw. lackiertem Messing, lackierter Bronze und Aluminium (Höhe bei eingefahrenem Tubus: 10 cm). Signatur auf dem Mikroskop: >Tami<, Hensoldt, Wetzlar, 876 und auf dem schwarz lackierten Messingcontainer: Hensoldt Wetzlar, 876. Die Fokussierung erfolgt durch das Drehen des großen Rändelrings am Tubus. Um das für Exkursionszwecke gebaute Mikroskop möglichst klein zu halten, verfügt es über einen zweifach ausziehbaren Tubus. Der Tisch besteht aus einer robusten Glasplatte, unter der ein kleiner Spiegel montiert ist. Für den Transport wird das "Tami" in den Container gesteckt, so daß der Fuß des Mikroskops, der mit einem Gewinde versehen ist, die Öffnung verschließt. Die Firma Hensoldt brachte 1923 und 1925 noch zwei weitere "Tamis" auf den Markt: das Metami bzw. das Protami.
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Mediziner Taschenmikroskop "Metami" um 1926 von
Hensoldt in Wetzlar. (Höhe bei eingefahrenem Tubus:
14 cm). Der schwarz lackierte Aluminiumcontainer
trägt die Seriennummer 1328 und die Bezeichnung
Hensoldt, Wetzlar. Auf dem schrumpflackierten
Mikroskopkörper ist folgendes zu lesen: Hensoldt,
Wetzlar, D.R.P., Metami, Vergr. 25 - 600
.
Im Unterschied zum Tami verfügt dieses
Mikroskop über eine Irisblende unter dem
herausklappbaren Tisch (!) und Präparateklemmen.
Die Stellung des Konkavspiegels kann
außerdem über eine Rändelschraube an der
Rückseite des Stativs eingestellt werden.
Der Vergrößerungsbereich des
Metami (25 - 600fach) übertrifft den
des Tami (35 - 225fach) deutlich.
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