Die frühe Geschichte der Firma Leitz ist eng mit den Namen Carl Kellner (1826 - 1855), Moritz Carl Hensoldt (1821 - 1903), Friedrich Belthle (1829 - 1869), Heinrich Friedrich Rexroth (?), Louis Engelbert (? - 1887), Wilhelm Seibert (1840 - 1925), Heinrich Seibert (1842 - 1907) und Ernst Gundlach (1834 - 1908) verbunden.
Moritz Carl Hensoldt ging nach dem Ende seiner Ausbildung im Jahre 1841 bei dem Mechaniker und Graveur Georg Andreas Wiskemann in Saalfeld auf Wanderschaft. Diese führte ihn zu F. W. Breithaupt nach Kassel (bis 1843) und anschließend zu Repsold & Söhne nach Hamburg, wo er im Sommer 1846 Carl Kellner kennenlernte. Es folgte eine enge Freundschaft zwischen Kellner und Hensoldt, die noch heute durch einen Briefverkehr belegt ist (pers. Mitt. Belz-Hensoldt). Carl Kellner nahm bereits 1843 als 17jähriger bei Dr. Stein in Gießen Mathematikunterricht und lernte den Instrumentenbau bei Satorius in Gießen. Im Jahre 1849 gründeten die beiden Freunde das Optische Institut in Wetzlar, welches Hensoldt jedoch noch im selben Jahr verließ, um in seine Geburtsstadt Sonneberg zu ziehen. 1851/52 folgte er nochmals der Bitte Kellners und arbeitete im Optischen Institut in Wetzlar. Dennoch gründete er 1852 eine eigene Werkstätte in Sonneberg. Bevor er selbst komplette Mikroskope baute, fertigte er dort Mikroskopstative für Kellner.
Die erste große Entwicklung Kellners erfolgte bereits 1849: “Das orthoskopische Ocular, eine neu erfundene achromatische Linsencombination", das sich durch gute Bildfeldebnung auszeichnete. Dieses Okular erhielt aufgrund seiner hervorragenden Eigenschaften bei führenden Wissenschaftlern viel Anerkennung. Aufbauend auf dieser Erfahrung begann Kellner zunächst Fernrohre und ab 1851 Mikroskope zu bauen. Bereits im folgenden Jahr verließen 28 Mikroskope die kleine Werkstätte und 1853 dann sogar 39 Mikroskope. 1854 trat der Neffe Kellners, Wilhelm Seibert, als Lehrling in den Betrieb ein, sein Bruder Heinrich folgte 1856.
Nach dem Tode Kellners 1855 übernahm zunächst sein enger Vertrauter Louis Engelbert die Leitung des Optischen Institutes in Wetzlar. Bereits nach einem Jahr heiratete die Witwe Kellners den Gehilfen Friedrich Belthle und übertrug diesem die Leitung der kleinen Firma. Von 1857 bis 1861 war Heinrich Friedrich Rexroth Partner von Belthle, was an der Signatur der Mikroskope dieser Zeit zu erkennen ist:
Belthle & Rexroth, C. Kellners Nachfolger. 1861 machte sich Rexroth mit dem Bau telegraphischer Anlagen selbständig und schied aus dem Unternehmen Belthle & Rexroth in Wetzlar aus. Ernst Gundlach, der seit 1858 bei Belthle arbeitete, verließ bereits 1859 mit den ehemaligen Auszubildenden Wilhelm und Heinrich Seibert das Unternehmen, um sich selbständig zu machen.
Ernst Leitz (1843 - 1920), der seit 1864 bei Belthle arbeitete und ab 1865 Teilhaber war, übernahm 1869 die erfolgreiche, kleine Firma. Leitz erhielt seine Ausbildung beim Mechaniker Christian Ludwig Oechsle in Pforzheim, seine Wanderjahre führten ihn u.a. nach Neuchatel in die Schweiz zu dem berühmten Uhrmacher Matthäus Hipp (Hipp'sche Chronoskop, Hipp'sche Pendel). Durch stetige Verbesserung des Produktionsablaufes und die vermehrte Einführung der Maschinenarbeit gelang es Ernst Leitz, das Unternehmen trotz des hohen Wettbewerbsdrucks zu einem Großunternehmen auszubauen. Ab 1870 wurde das Hufeisenstativ nach Georges Oberhaeuser (abweichende, deutsche Schreibweise: Georg Oberhäuser, 1798 - 1868) eingeführt, das den Mikroskopbau für die folgenden 100 Jahre maßgeblich prägte. Als 1887 das 10.000ste Mikroskop die Firma verließ, zählte diese 100 Mitarbeiter. 1907 waren es bereits 100.000 Mikroskope und nur 5 Jahre später 150.000.
Im Jahre 1920 übernahm der zweite Sohn von Leitz (“Ernst Leitz II“) die Firma. Ein wesentlicher Unternehmensmeilenstein war die Vorstellung der Leica-Kamera auf der Frühjahrsmesse in Leipzig 1925. Nachdem 1974 die Schweizer Firma Wild die Mehrheitseigentümerin wurde, schied im Jahre 1978 die Familie Leitz als Miteigentümerin aus dem Unternehmen aus.
Interessierte Leser seien auf folgende Buchtitel aufmerksam gemacht:
- Beck, R. (1999): Die Leitz-Werke in Wetzlar, Sutton, Erfurt
- Beck, R. (2002): Mikroskope von Ernst Leitz in Wetzlar, Sutton, Erfurt
- Belz-Hensoldt, Chr. (2002): Lehr- und Wanderjahre - Moritz Hensoldts Jugendbriefe an seinen Vater 1838 - 1843, Paqué, Ramstein-Miesenbach
- Berg, A. (1955): Carl Kellner, Der Begründer der optischen Industrie in Wetzlar, Optische Werke Ernst Leitz Wetzlar, Wetzlar
- Hensoldt, M. & Söhne Optische Werke AG Wetzlar (1952): 100 Jahre M. Hensoldt & Söhne Optische Werke AG Wetzlar, Hoppenstedts Wirtschaftsarchiv GmbH, Darmstadt
- Wiedling, M. (1949): 100 Jahre Optik und Feinmechanik in Wetzlar, Industrie- und Handelskammer Wetzlar, Pegasus, Karlsruhe-Durlach