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Georges Oberhaeuser
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Mittleres Trommelmikroskop (Nr. IV) von Oberhaeuser um 1852 (Höhe mit eingefahrenem Tubus: 24 cm). Die schöne geschwungene Signatur G. Oberhaeuser, Place Dauphine, Paris befindet sich auf dem Schiebetubus wohingegen die Seriennummer 2191 in das Leder auf der Stativunterseite eingebrannt wurde. Unter dem geschwärzten Tisch befindet sich eine Lochblendenscheibe mit drei Positionen und ein drehbarer Konkavspiegel. Die Grobfokussierung erfolgt über das Schieben des Tubus, die Feineinstellung über ein Rändelrad an der Säule unterhalb des Tisches. Zur optischen Ausstattung dieses Instrumentes gehört das Okular Nr. 4 sowie das Objektiv Nr. 4.
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Die Trommelmikroskope von Georges Oberhaeuser waren aufgrund der einfachen Bauweisen relativ preiswert. Die Optik, besonders die achromatisch korrigierten Objektive, wurden von vielen Wissenschaftlern geschätzt.

Georges Oberhaeuser (abweichende, deutsche Schreibweise: Georg Oberhäuser, 1798 - 1868), der im preußischem Ansbach geboren wurde, wanderte bereits als 14 jähriger nach Paris aus, wo er zunächst für andere Werkstätten arbeitete. 1830 machte er dort die Bekanntschaft mit Bouquet und Trecourt, die ihn bei der Gründung einer eigenen Werkstätte mit der Anschrift Place Dauphine 19, Paris unterstützten. Der Erfolg mit mechanisch einfachen Trommelmikroskopen, die jedoch eine hochwertige achromatische Optik hatten, stellte sich schnell ein. Im Unterschied zu den Trommelmikroskopen von Joseph von Fraunhofer (1770 - 1841) waren die Geräte Oberhaeusers größer und verfügten über einen Feintrieb unterhalb der Säule. Diese Stativform wurde von Camille Sébastian Nachet 1798 - 1881 und anderen erfolgreich kopiert. 1835 führte Oberhaeuser noch ein größeres Trommelmikroskop ein: das Grand Microscope Achromatique. Es folgte 1836 das pankratische Mikroskop mit einem Zoom-Objektiv.

Georges Oberhaeuser gilt zurecht als einer der bedeutendsten Mikroskopbauer des 19. Jahrhundert. So führte er 1848 das Hufeisenstativ ein, das 100 Jahre von fast allen Mikroskopbauern weltweit als Vorbild galt. Eine weitere wesentliche durch Oberhäuser eingeführte Neuerung war die Standardisierung der Tubuslänge auf 160 mm, wie sie noch heute in mit endlicher Optik ausgestatteten Mikroskopen üblich ist. Dieser verkürzte Tubus erwies sich in der Handhabung als deutlich praktischer als das englische Tubusmaß (12 inch, 32 cm).
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Kleines Trommelmikroskop (Nr. III) von Oberhaeuser um
1842 (Höhe mit eingefahrenem Tubus: 21 cm) aus
zaponiertem, geschwärztem und grün lackiertem Messing.
Wie für Oberhaeuser und Hartnack typisch, befindet sich
die Signatur am Schiebetubus: Georges Oberhaeuser,
Place Dauphine, No 19, Paris
und die Seriennummer im
Kasten und auf dem Leder an der Stativunterseite sowie
auf der Fußoberseite: 1013. Der Grobtrieb erfolgt über
den Schiebetubus, die Feineinstellung wird mithilfe des
Rändelrades unter dem Tisch durchgeführt. Ausgestattet
ist dieses kleine Mikroskop mit den Objektiven Nr. 2, Nr. 7,
Nr. 8, dem Okular Nr. 2, einem Leuchtfeldblendenrad mit
3 Positionen und einem Planspiegel. Eine Auflichtlupe
ist nicht vorhanden. Für den Transport wird der Fuß
abgeschraubt und separat im Mahagonikasten verstaut.
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Georges Oberhaeuser machte 1854 Friedrich Edmund Hartnack (1826 - 1891) zu seinem Teilhaber und 1864 zu seinem Nachfolger, mit dem er durch die Hochzeit zwischen seiner Nichte (Johanna Maria Louise Kleinod) und Hartnack in verwandtschaftlichem Verhältnis stand.

Aufgrund des deutsch-französischen Krieges mußte Edmund Hartnack 1870 Paris verlassen und nach Potsdam übersiedeln, wo er ein neues Institut für den Bau von Mikroskopen und anderen optischen Instrumenten gründete. 1864 trat der aus Polen geflüchtete Mathematiker und Astronom Professor Adam Prazmowski (1821 - 1888) dem Unternehmen bei, der bereits 1865 durch Hartnack zum technischen Direktor ernannt wurde. Hartnack verkaufte 1879 seine Pariser Niederlassung an Prazmowski. Ab 1885 leiteten die Meister Bezu und Hausser das Unternehmen, bis schließlich 1898 die Firma in der Nachetgruppe aufging.
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