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H. Rexroth
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Sehr ungewöhnliches Mikroskop von H. Rexroth
(Höhe bei eingefahrenem Tubus: 31 cm). Die
geschwungene Signatur H. Rexroth in Wetzlar
und die Seriennummer No. 71 befinden sich am
runden zaponierten Messingfuß. Das Mikroskop
ist mit einen tief liegenden Feintrieb über eine
runde Säule und mit einem Grobtrieb über ein
einseitiges Rändelrad ausgestattet. Unter dem
Tisch befinden sich ein Lochblendenrevolver mit
6 Positionen sowie ein schwenk- und drehbarer
Konkavspiegel an einer aufwendigen Halterung.
Die optische Ausstattung umfaßt folgende
Komponenten: Objektive 0, 1 und 3 (alle signiert
mit H. Rexroth) und die Okulare I und III.
Das Stativ läßt sich um 360° um den runden
mit Blei ausgegossenen Messingfuß drehen.
Laut handgeschriebener Vergrößerungstabelle
ist das Zubehör vollständig. Das Mikroskop wird
liegend im Weichholzkasten aufbewahrt.
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Es ähnelt den Mikroskopen von Carl Kellner, Friedrich Belthle & Heinrich Friedrich Rexroth in Wetzlar. Wesentliche Unterschiede sind die runde Säule (anstelle des Prismentriebs), der Grobtrieb und der zaponierte Messingfuß (anstelle des geschwärzten Eisenfußes). Die für Kellner, Belthle & Rexroth typische Schraube zur Einstellung der Friktion des Feintriebes ist beim Rexroth Nr. 71 nicht vorhanden. Das Objektiv H. Rexroth 3 ähnelt durch seine (wenn auch schlankere) Trichterform den Objektiven von Kellner, Belthle & Rexroth wohingegen die anderen Objektive sich deutlich von diesen unterscheiden. Im Unterschied zu den meisten Mikroskopen von Kellner, Belthle & Rexroth ist die Signatur nicht gestanzt, sondern eingraviert.

Die Handschrift auf der Vergrößerungstabelle dieses Mikroskops stimmt mit der auf der Tabelle der Seriennummer 367 überein (Kellner, Belthle & Rexroth, 1859, Privatsammlung), was die Vermutung nahe legt, daß sie in beiden Fällen von Heinrich Friedrich Rexroth stammt.

Moritz Carl Hensoldt (1821 - 1903) ging nach dem Ende seiner Ausbildung im Jahre 1841 bei dem Mechaniker und Graveur Georg Andreas Wiskemann in Saalfeld auf Wanderschaft. Diese führte ihn zu F. W. Breithaupt nach Kassel (bis 1843) und anschließend zu Repsold & Söhne nach Hamburg, wo er im Sommer 1846 Carl Kellner (1826 - 1855) kennenlernte. Es folgte eine enge Freundschaft zwischen Kellner und Hensoldt, die noch heute durch einen Briefverkehr belegt ist (pers. Mitt. Belz-Hensoldt). Carl Kellner nahm bereits 1843 als 17jähriger bei Dr. Stein in Gießen Mathematikunterricht und lernte den Instrumentenbau bei Satorius in Gießen. Im Jahre 1849 gründeten die beiden Freunde das Optische Institut in Wetzlar, welches Hensoldt jedoch noch im selben Jahr verließ, um in seine Geburtsstadt Sonneberg zu ziehen. 1851/52 folgte er nochmals der Bitte Kellners und arbeitete im Optischen Institut in Wetzlar. Dennoch gründete er 1852 eine eigene Werkstätte in Sonneberg. Bevor er selbst komplette Mikroskope baute, fertigte er dort Mikroskopstative für Kellner.

Die erste große Entwicklung Kellners erfolgte bereits 1849: “Das orthoskopische Ocular, eine neu erfundene achromatische Linsencombination", das sich durch gute Bildfeldebnung auszeichnete. Dieses Okular erhielt aufgrund seiner hervorragenden Eigenschaften bei führenden Wissenschaftlern viel Anerkennung. Aufbauend auf dieser Erfahrung begann Kellner zunächst Fernrohre und ab 1851 Mikroskope zu bauen. Bereits im folgenden Jahr verließen 28 Mikroskope die kleine Werkstätte und 1853 dann sogar 39 Mikroskope. 1854 trat der Neffe Kellners, Wilhelm Seibert (1840 - 1925), als Lehrling in den Betrieb ein, sein Bruder Heinrich (1842 - 1907) folgte 1856.

Nach dem Tode Kellners 1855 übernahm zunächst sein enger Vertrauter Louis Engelbert (? - 1887) die Leitung des Optischen Institutes in Wetzlar. Bereits nach einem Jahr heiratete die Witwe Kellners den Gehilfen Friedrich Belthle (1829 - 1869) und übertrug diesem die Leitung der kleinen Firma. Von 1857 bis 1861 war Heinrich Friedrich Rexroth Partner von Belthle, was an der Signatur der Mikroskope dieser Zeit zu erkennen ist: Belthle & Rexroth, C. Kellners Nachfolger. 1861 machte sich Rexroth mit dem Bau telegraphischer Anlagen selbständig und schied aus dem Unternehmen Belthle & Rexroth in Wetzlar aus. Abgesehen von einem Vermerk der Zahlungen Belthles an Rexroth ab 1857 ist den frühen Büchern der Firma bedauerlicher Weise keine weitere Information zu dem Ausscheiden von Rexroth zu entnehmen (pers. Mitt. Beck, Leica Archiv). Nach dem Tod Belthles 1869 übernahm der 26jährige Ernst Leitz (1843 - 1920) den Betrieb.
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Bei dem hier gezeigten Mikroskop, das bei einer Haushaltsauflösung im Herbst 2006 in Schmalkalden/Thüringen auftauchte, handelt es sich um das einzige bekannte Mikroskop, das ausschließlich von Rexroth signiert wurde. Wahrscheinlich wurde es bald nach der Trennung Rexroths von Belthle im Jahre 1861 gefertigt. Heinrich Friedrich Rexroth verstarb ledig im Alter von ungefähr 50 Jahren.

Interessierte Leser seien auf folgende Buchtitel aufmerksam gemacht:
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