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G. Winckler
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Ungewöhnliches Berliner Messmikroskop aus
Messing von G. Winckler vor 1800 (Höhe bei
eingefahrenem Stativ: 16 cm). Das Mikroskop wird in
einem Edelholzkasten auf einem ausziehbaren Stativ
montiert. Zur Beleuchtung dient ein dreh- und
kippbarer Konkavspiegel. Die Fokussierung wird über
ein Rändelrad durchgeführt, welches auf die
Präparatehalterung wirkt. Über den Auszugstubus
kann die Vergrößerung variiert werden. Die
verschnörkelte Signatur und die Seriennummer
G. Winckler in Berlin No 34 wurden
in den Präparatehalter graviert.
Dieses Mikroskop diente der Vermessung von Wollfäden, die zwischen den beiden Pinzetten gespannt wurden, wobei es sich um einen wichtigen Schritt bei der Qualitätsprüfung während der Textilherstellung handelte. Zwischen einem einteiligen Objektiv und Präparat befinden sich zwei parallele, doppelbrechende Kalkspatplatten, die über ein Rändelrad definiert gegeneinander bewegt werden können. Das Ausmaß der gegenläufigen Bewegung ist an einer doppelten Skala abzulesen. Auf diese Weise läßt sich z.B. der Durchmesser einer kleinen Struktur ohne Okularmikrometer über den Bildversatz bestimmen. Bei Bedarf kann das Mikroskop aus seiner Halterung genommen werden und ein weiteres Objektiv eingesetzt und auch die Messvorrichtung abgebaut werden. Dadurch kann es als Handmikroskop dienen.

Ursprünglich entwickelt wurde dieses Messmikroskop, welches auch als Eirometer oder Wollmesser bezeichnet wird, von dem englischen Optiker Peter Dollond (1730 - 1820). Die Umsetzung des Mikrometers geht auf den Abt Alexis Marie Rochon (1741 - 1817) zurück: Rochons Mikrometer (oft auch als Kristallmikrometer oder auch als Doppelbildmikrometer bezeichnet). Dollond gehörte zu den wenigen Optikern, die bereits damals in der Lage waren, in seinen Instrumenten den e-Strahl (extraordinary) frei von chromatischen Aberrationen abzubilden

Eingeführt wurde diese Messmethode nach Rochon in der Astronomie durch Jesse Ramsden (1735 - 1800) gegen 1776. Bei dem hier gezeigten Berliner Mikroskop von G. Winckler handelt es sich um das einzig bekannte Eirometer aus Deutschland der damaligen Zeit.

G. Winckler gilt als einer der frühesten Mikroskopbauer Berlins. Über ihn ist jedoch sehr wenig bekannt. Eine Anzeige mit seiner Produktpalette läßt sich in der Vossischen Zeitung von 1812 finden.
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